Baukasten, KI oder gebaut – der Unterschied zeigt sich im zweiten Jahr
Drei Wege führen heute zu einer Website: ein Baukasten, ein KI-Generator oder jemand, der sie baut. Am ersten Tag sehen alle drei ähnlich aus. Was sie unterscheidet, merken Sie, wenn etwas geändert werden muss – und woran Sie es vorher erkennen können.
Am ersten Tag sehen sie alle gleich aus. Ein Baukasten setzt Ihnen in zwei Stunden eine Seite hin, ein KI-Generator schafft es in zwei Minuten, und der Entwickler braucht zwei Wochen. Wer nur auf das Ergebnis vom ersten Tag schaut, hat die Wahl bereits getroffen.
Der Unterschied ist nicht sichtbar, er ist strukturell. Er meldet sich später – wenn etwas geändert werden muss, wenn die Seite langsam wird, wenn ein Anbieter sein Produkt einstellt oder wenn jemand mit einer Vorlesehilfe auf Ihre Seite kommt.
Was ein Baukasten liefert
Ein Baukasten ist ein Programm, das Programmieren ersetzen soll. Damit das gelingt, muss er auf jede denkbare Anforderung vorbereitet sein – und deshalb bringt er alles mit, auch das, was Sie nie brauchen.
Praktisch heißt das: Eine Seite, die aus vier Überschriften und drei Bildern besteht, lädt am Ende dreißig Erweiterungen, ein Bildergalerie-Skript, zwei Schriftarten von fremden Servern und eine Bibliothek für Effekte, von denen Sie einen nutzen. Im Quelltext stehen dann Verschachtelungen aus zwölf Ebenen div, weil ein Baukasten nicht wissen kann, was Ihr Inhalt bedeutet. Er kennt nur Kästen.
Das ist kein Schönheitsfehler. Eine Vorlesehilfe liest die Struktur einer Seite, nicht ihr Aussehen: Sie springt von Überschrift zu Überschrift, von Bereich zu Bereich. Wo nur Kästen stehen, gibt es nichts zu springen. Suchmaschinen arbeiten mit derselben Struktur. Und jedes dieser Zusatzprogramme ist eine Abhängigkeit – es wird aktualisiert, es kollidiert, es kostet monatlich, oder es verschwindet.
Was ein KI-Generator liefert
Ich arbeite selbst täglich mit diesen Werkzeugen, also sage ich es deutlich: Sie sind gut. Sie tippen schneller als ich, sie kennen mehr Bibliotheken als ich, und sie vergessen kein Semikolon.
Was sie nicht können, ist urteilen. Eine KI erzeugt Code, der plausibel aussieht. Ob er richtig ist, entscheidet sich an Dingen, die nicht im Text stehen: an Ihrem Hosting, an der Datenmenge in zwei Jahren, an dem einen Sonderfall in Ihrem Ablauf, den Sie beim Erzählen für selbstverständlich hielten. Sie erfindet gelegentlich Funktionen, die es nicht gibt, und sie tut das mit derselben Gelassenheit, mit der sie richtigen Code schreibt.
Eine generierte Website ist deshalb nicht schlecht – sie ist ungeprüft. Der Unterschied zwischen beidem ist genau die Person, die den Vorschlag liest und erkennt, dass er Unsinn ist. Nimmt man die Person heraus, bleibt ein Text, den niemand verantwortet.
Was «gebaut» bedeutet
Handwerk in diesem Beruf besteht aus wenigen, langweiligen Dingen. Sie stehen in keinem Angebot, weil sie sich schlecht verkaufen lassen – und sie sind der ganze Unterschied.
Semantisches HTML. Eine Überschrift ist eine Überschrift und kein fett gestellter Absatz. Eine Navigation ist eine Navigation. Ein Artikel ist ein Artikel. Danach richtet sich, ob ein Screenreader die Seite vorlesen kann und ob eine Suchmaschine versteht, was wichtig ist.
Der Unterschied sieht im Quelltext so aus. Ein Baukasten liefert:
<div class="wp-block-group elementor-element-2f8a">
<div class="elementor-widget-container">
<div class="text-large bold">Unsere Leistungen</div>
</div>
</div>
Gebaut sieht dieselbe Stelle so aus:
<section aria-labelledby="leistungen">
<h2 id="leistungen">Unsere Leistungen</h2>
</section>
Beides sieht im Browser identisch aus. Für eine Vorlesehilfe ist das erste ein Kasten mit Text darin und das zweite ein Abschnitt mit einer Überschrift, die man anspringen kann.
Eine Gliederung ohne Löcher. Auf eine Überschrift erster Ebene folgt eine zweite, nicht eine vierte, weil die zufällig kleiner aussieht. Wer mit der Tastatur navigiert, liest die Seite als Inhaltsverzeichnis. Springt die Gliederung, fehlt in diesem Verzeichnis ein Kapitel.
Prüfung gegen den Standard. Das W3C stellt einen Prüfer bereit, der jede Seite gegen die Spezifikation hält. Er ist kostenlos, er braucht dreißig Sekunden, und er sagt unbestechlich, ob das, was der Browser gerade freundlich repariert, tatsächlich korrekt ist. Ein Browser verzeiht viel. Ein Screenreader verzeiht weniger.
Tempo als Entscheidung, nicht als Zufall. Bilder in der Größe, in der sie gebraucht werden. Schriften vom eigenen Server. Kein Skript, das lädt, bevor der erste Satz sichtbar ist. Ladezeit entsteht nicht durch ein Werkzeug am Ende – sie entsteht durch das, was man vorher weglässt.
Wartbarkeit. Code, den ein Mensch nach zwei Jahren wieder lesen kann. Das ist der Punkt, an dem sich der Aufwand für Sie auszahlt, und es ist der einzige, den man am ersten Tag nicht sehen kann.
Woran Sie es prüfen können – ohne Entwickler zu sein
Drei Handgriffe, für jede Seite, auch für eine, die Ihnen gerade jemand anbietet:
- Quelltext ansehen. Rechtsklick, «Seitenquelltext anzeigen». Sie müssen nichts verstehen. Sie sehen auf einen Blick, ob dort Struktur steht oder eine Wand aus Kästen und kryptischen Klassennamen.
- Durch den W3C-Validator schicken. Adresse eingeben, prüfen lassen. Hundert Fehler sind ein Befund, nicht ein Zufall.
- Auf dem Telefon aufrufen, ohne WLAN. Was im Büro mit Glasfaser in einer halben Sekunde steht, braucht mobil manchmal acht. Ihre Kunden sind mobil.
Keine dieser Prüfungen kostet Geld, und keine verlangt Fachwissen. Sie zeigen zusammen mehr über eine Website als jedes Angebot.
Was das für Ihre Entscheidung heißt
Für eine Visitenkarte im Netz, drei Seiten, einmal gebaut und nie wieder angefasst, ist ein Baukasten eine vernünftige Wahl. Ich sage das ungern, aber es stimmt, und ich sage es auch am Telefon.
Sobald eine Seite mit dem Betrieb wächst, sobald Daten im Spiel sind, sobald ein Ablauf abgebildet werden muss, den es genau einmal gibt – dann brauchen Sie jemanden, der jede Zeile lesen kann. Nicht, weil Handarbeit an sich besser wäre. Sondern weil Sie im zweiten Jahr jemanden brauchen, der sagen kann, warum etwas so gebaut ist.